Update: Umzug in die TempoHomes

Anfang Oktober 2017 musste unsere Begegnungsstätte, das THFcafé im Hangar 1 der Notunterkunft kurzfristig ausziehen, da das LAF perspektivisch die Räumlichkeiten für die Erweiterung des Ankunftszentrums braucht.  Auch, wenn die Schließung des Cafés für uns traurig war und einige Herausforderungen mit sich brachte, begrüßen wir nach wie vor die längst überfällige Schließung der Notunterkunft im ehemaligen Flughafen Tempelhof im Dezember 2017.[1]

Seitdem haben wir uns oft getroffen, gemeinsam überlegt, wie unsere Vereinsarbeit weiterhin aussehen kann und unsere Vernetzung mit anderen gemeinnützigen Initiativen, Projekten und Organisationen ausgebaut.

Nach wie vor, ist es unser Ziel, die bereits etablierten Kleinprojekte, im Rahmen von Gemeinschaftsunterkünften (insbesondere den entstehenden TempoHomes) anzubieten und so einen direkten Kontakt zu Bewohner*innen und auch deren Einbeziehung in die Vereinsarbeit leisten zu können. Dazu halten wir euch auf unserer Internetseite und über Facebook weiterhin auf dem Laufenden!
Natürlich finden die Fahrrad-Werkstatt (Hangar 1, Do 14-20h) und das Frauencafé (Campus Coop Neukölln, So 16-18h) weiterhin wie gewohnt jede Woche statt.

Seit Dezember 2017 nun, sind die noch in den Hangars lebenden Menschen (vor allem Hangar 6 und 7) in das „neue“ Containerlager gezogen: Die TempoHomes. Betreiber dieser TempoHomes ist die Tamaja GmbH, die von Ende 2015 bis Ende 2017 Betreiber der Notunterkunft des ehemaligen Flughafen Tempelhofs war und nach wie vor das Ankunftszentrum dort betreibt.

Gemeinsam mit anderen Initiativen, die sich in den vergangenen Jahren intensiv in der Flüchtlingshilfe engagiert haben, lehnen wir das Asylankunftszentrum im Hangar 2 des Flughafen Tempelhof ab und stehen für seine sofortige Schließung.[2] Wir teilen die Ansicht des Flüchtlingsrates Berlin e.V., der in einer Pressemitteilung schreibt, dass „in Berlin angesichts von derzeit über 2000 freien Plätzen in regulären Unterkünften, keine Unterbringungsnotlage mehr besteht, die den weiteren Betrieb des Ankunftshangars mit nur etwa genutzten 100 Schlafplätzen rechtfertigt.“

Wir unterstützen die Forderung, dass Geflüchtete vom ersten Tag an in regulären Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden sollten. Darüber hinaus sollte sich das Land Berlin nicht mehr an den Schnellverfahren beteiligen, wie sie derzeit auch im Asylankunftszentrum durchgeführt werden.

Aktuelles  zu den TempoHomes:

Mitte Dezember, kurz vor Weihnachten konnten die ersten Bewohner*innen in die TempoHomes einziehen.

Nach aktuellem Stand (Januar 2018) leben derzeit bereits ca. 290 Menschen in den TempoHomes. Dies sind vor allem ehemalige Bewohner*innen der Hangars sowie bereits ehemalige Bewohner*innen der ebenfalls von Tamaja betriebenen Unterkunft in der Paulsternstraße in Spandau.

Noch sind aber nicht alle Container bezugsfertig. Die Eröffnung der TempoHomes hatte sich, wie allgemein bekannt, durch Baumängel, Abnahmefristen, etc. verzögert. Geplant war die Fertigstellung der „Wohnanlage, die sich in drei Siedlungsbereiche gliedert“ für Juli 2017.[3]

Die TempoHomes werden voraussichtlich bis Mitte 2019 auf dem Flugfeld des Flughafen Tempelhof zur Feldseite des Tempelhofer Feldes als Unterkunft dienen.

Im Laufe diesen Jahres sollen nach und nach mehr Menschen in das Containerlager einziehen, in denen insgesamt bis zu 1.100 Menschen „vorübergehend ein neues Zuhause finden“.[4]

Am 03.12. fand für alle interessierten Berliner*innen sowie vor allem für die Bewohner*innen der Hangars eine erstmalige Besichtigung statt. Sascha Langenbach, Senatssprecher für Flüchtlingsfragen war vor Ort und führte Interessierte durch das Containerlager. Politiker*innen verschiedener Parteien, Mitarbeiter*innen des Betreibers Tamaja und Journalisten waren vor Ort. Es gab allerdings nicht viel zu sehen: Man konnte am Beispiel einiger Container die Ausstattung der TempoHomes begutachten und einige der Gemeinschaftsräume erkunden. Die Besichtigung war schnell gemacht.

Wie sind die Wohneinheiten aufgebaut?

Die Wohnbereiche bestehen aus jeweils drei miteinander verbundenen Modulen. Der mittlere Bereich beinhaltet eine kleine Küche sowie eine sanitäre Einrichtung. In den zwei „Schlafzimmern“ stehen jeweils zwei Betten, ein Tisch, zwei Stühle sowie zwei Schränke. Ein Set Bettwäsche, sowie eine Decke und ein Kissen gehören zur Grundausstattung. In der Küchenzeile gibt es neben einem Herd und einer Spüle und zwei Schränke zur Unterbringung der Kochutensilien. Auch hier gehört eine kleine Grundausstattung von Töpfen und Geschirr dazu, der Rest muss von den Bewohner*innen selbst gekauft werden.

Die TempoHomes erhalten neben den Wohnungen auch Bereiche für die Verwaltung, soziale Betreuung und Seminarräume.

Viele der ehemaligen Bewohner*innen der Hangars, mit denen wir gesprochen haben, begrüßen ihren Umzug in die TempoHomes und sehen diese als eine Verbesserung gegenüber der Unterbringung in Notunterkünften bzw. den Hangars.  Von den Bewohner*innen wurden vor allem mehr Privatsphäre und die Möglichkeit zum Kochen als Plus geäußert.

Auch wir begrüßen diese Verbesserung, möchten aber dennoch darauf hinweisen, dass auch die TempoHomes keine angemessene Unterbringung sind. Die Hangars und andere Notunterkünfte sollten nicht der Maßstab sein, an dem eine gute bzw. „bessere“ Unterbringung gemessen wird.

Ein Problem, dass wenig Beachtung findet, für die Bewohner*innen aber eine Herausforderung darstellt, ist ein Übernachtungsverbot für Besucher*innen. Tagsüber können jederzeit Gäste empfangen werden, aber niemand von außen hat die Erlaubnis dort zu schlafen. Das heißt, dass beispielsweise erwachsene Kinder der Bewohner*innen, die in einem anderen Bundesland untergebracht sind, ihre Familien selten oder gar nicht besuchen können.

THFwelcome e.V. – im Flughafen Tempelhof

Derzeit stehen wir mit Tamaja in Gesprächen, wie eine gemeinsame Kooperation aussehen kann. Wir haben unsere Projekte und Ziele vorgestellt und hoffen nun, angemessene Räume für unsere Arbeit vor Ort zu bekommen. Unsere Fahrradwerkstatt findet ihr nach wie vor Donnerstags von 14:00- 20:00Uhr im Tentaja Hangar  (hinter dem ehemaligen THFcafé).

Für das Nähprojekt für Frauen und eine Geschichtswerkstatt sollen uns neue Räume zur Verfügung gestellt werden. Wir warten gerade auf den entsprechenden Vorschlag von Tamaja/ Tentaja. Sobald wir mehr konkrete Informationen haben, lassen wir es Euch wissen.  Wir planen einen regelmäßigen Präsenztag vor Ort, so dass wir auch in Zukunft wieder einen gemeinsamen Treffpunkt haben, um zusammenzukommen, uns zu sehen und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.

[1] Mitteilung von Tamaja vom 15.01.2018: http://www.tamaja.de/de/unterkuenfte/news/newsreader/schliessung-unserer-notunterkuenfte/

[2] Pressemitteilung anlässlich der geplanten Eröffnung des Containerlagers auf dem Tempelhofer Feld vom 30.11.2017: http://www.fluechtlingsrat-berlin.de/print_pe2.php?post_id=850

[3] Pressemitteilung der Senatsverwaltung für für Integration, Arbeit und Soziales vom 07.02.2017: https://www.berlin.de/sen/ias/presse/pressemitteilungen/2017/pressemitteilung.558642.php

[4] Pressemitteilung der Senatsverwaltung für für Integration, Arbeit und Soziales vom 07.02.2017: https://www.berlin.de/sen/ias/presse/pressemitteilungen/2017/pressemitteilung.558642.php